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Liebe Ellen, hier kommt der schon so lange versprochene Erfahrungsbericht. Franziskas Seele hat durch traumatische Kindheitserlebnisse, wie der Trennung der Eltern und Verlust des Vaters, langen Krankenhausaufenthalten ihrer Schwester und damit verbundener Abwesenheit der Mutter bis hin zu einem Nicht – Gesehen – Werden stark gelitten. Ihr Ventil war die Mutation zum Hampelkind und Klassenkasper, wodurch sich die Situation in ihrem Umfeld Schule zusätzlich verschlechterte. Von den Lehrern erfuhr sie Unverständnis und Ablehnung. Das Chaos in ihrer Seele spiegelte im Außen nur der chaotische Schulranzen oder das unaufgeräumte Zimmer wider. Oft habe ich überlegt, wie ich dieses Chaos in Franziskas Seele entfernen könnte. Mit dem Beginn Deines ganzheitlichen Gesangsunterrichts ist Franziskas Seele in kürzester Zeit in die Be – Reinigung gegangen, man könnte fast sagen, dass mit jedem Ton, den Du diesem zarten Körper entlockt hast, ein bisschen mehr von dem, was sie verdrängt hatte, ans Tageslicht kam und gesehen werden durfte. Eine tränenreiche Zeit des Aufräumens hatte begonnen. Wie gewaltig diese Veränderungen sind, erlebe ich als Mutter seit ein paar Monaten sehr deutlich: Franziskas Schulnoten haben sich stark verbessert (in Mathematik ist sie sogar von einer 4 auf eine 2 gerutscht), sie ist deutlich ruhiger geworden, und lernt jetzt sogar freiwillig und mehr als sie müsste. Ihr Zimmer und ihre Schränke sind aufgeräumt, jedes Teil hat seinen Platz! Das Beste kommt aber noch: Franziskas Stimme! Wenn Franziskas Seele singt, berührt mich das so sehr, dass mir die Tränen in Sturzbächen aus den Augen laufen. Mein eigenes Kind ist mein größter Heiler! Euch Beiden gegenüber empfinde ich tiefste Dankbarkeit und Liebe. Deine Karin Ich habe eine Schülerin gebeten den Prozess den sie zu Hause nach einem Gespräch erlebt hat aufzuschreiben. Momo von KatiMomo ist allein. Ganz allein. Die grauen Männer verfolgen sie, sind direkt hinter ihr. Eigentlich ein Leben lang. Momo stürzt in das Haus Meister Horas, rennt zum Sofa und wirft sich das Kissen über den Kopf, nichts hörend, nichts sehend. Verschwindend, die Welt anhaltend und noch immer allein. Ich lege das Buch weg. Es ist kalt. Ich gehe zur Kammer und will etwas zu Essen machen. Als ich die erste Kartoffel aus der Kiste nehme, merke ich den Kloß im Hals. Plötzlich. Dabei hatte ich das Buch zur Seite gelegt. Wie ich seit jeher das Buch meines Lebens zur Seite geschoben habe. Einmal kraftig schlucken und vergessen. Leider klappt das nie. Bei der vierten Kartoffel ist es vorbei. Das Licht der Kammer ist greller denn je. Die Zähne klappern, mir ist heiß und kalt, ich friere, wie in meinem ganzen Leben noch nicht. Die Decke bis zur Nasenspitze gezogen, den Kopf manchmal darunter versteckend,... wie Momo. Mein Leben verbringe ich mit dem Gefühll mich verstecken zu müssen, mich nicht wehren zu können, die Zeit anhalten zu wollen. Die Kraft unter der Decke hervorschauen zu können scheint mir einfach zu fehlen. Vielleicht auch nur der Mut. Doch schlimmer als die Feigheit ist die Einsamkeit. Die Einsamkeit scheint unendlich. Ich bin so allein. Selbst Gott hat mich verlassen. Das Häufchen Elend, dass dort im Bett liegt, zitternd und schwitzend. Die Kälte der Einsamkeit hält mich fest, so sehr, dass alle meine Gefühle verschwunden sind. Nichts kann ich fühlen, außer Leere. Die Beine angezogen, die Augen fest zusammengedrückt, die Fäuste geballt in das Kissen. Unendlich klein, zu schwach für diese Welt. Ich kann nicht atmen. Die Einsamkeit erstickt mich, zusammen mit der Kälte. Ich will rufen, immer den einen Satz: Gott, verlass mich nicht, bitte, bitte lass mich nicht allein. Aber niemand ist da. Niemand. Ich kann nicht atmen, mir fehlt die Luft. Die Luft zum Leben. Leben ist zu anstrenegend. Das schaffe ich nicht. Ich will sterben, will einfach verschwinden. Mich unter der Decke verkriechen, für immer. Der Satz, ich kann ihn nicht aussprechen, all das Weinen, all das Leiden raubt mir den Atem. Ich glaube, ich schreie, aber es kommt kein Ton, nur das unregelmäßige Keuchen, der Versuch seinem Atem zuzuhören und ihn zu beruhigen, um wenigstens Gott bitten zu können. Langsam öffne ich die Augen, es ist so grell. Ich verfluche die Nachttischlampe angemacht zu haben. Die Tränen laufen einfach weiter. Das Luftholen ist gerade möglich. Denke ich, bis es wieder vorbei ist und ich das Gefühl habe, dass all das nie aufhören wird. Niemals Atmen, niemals den Mut haben, niemals Leben. Die Zeit gab es nicht. Ich kann nicht sagen wie lange es dauerte. Wahrscheinlich ein ganzes Leben lang. Die Einsamkeit ist da, sie wird nie vergehen und ich kann damit leben. Ich merke, dass ich die Augen öffnen kann, wieder Luft zu Atmen da ist. Aber die Kälte bleibt und fühlen kann ich noch immer nicht, nicht wirklich. Dabei ist alles anders. Mein Kind gehört mir. Endlich, nach so vielen Jahren. Ich kann Mitleid empfinden und mich meiner annehmen. Ich bin nicht mehr allein und ich brauche mich auch nicht mehr davor zu fürchten. Es ist bestimmt nicht gut und gerade auch einfach noch zu frisch, um es zu begreifen, aber vielleicht ist es ganz gut, dass ich es jetzt aufschreibe, denn ich vergesse gerne schnell, wie schlimm es war. Anmerkung von mir: Kati ist ein 7 Monatskind. Danke dir, Kati, für diesen sehr ergreifenden Bericht und die Erlaubnis ihn auf meine Seite zu stellen. Er zeigt uns Lesern ganz gut wie sich ein Frühgebohrenes so etwa fühlt, abgeschnitten von jeglichem Körperkontakt, mit noch nicht voll ausgereiften Lungen. 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